TCM – Eine Einführung

Geschichte

Die Anfänge der chinesischen Heilkunst reichen bis in die Steinzeit zurück, wo fein geschliffene Steinnadeln zur Akupunktur verwendet wurden. Diese wurden in der Bronze- und Eisenzeit durch Metallnadeln abgelöst. Heute werden in der Regel sterile Einmalnadeln aus Stahl benutzt.
Der Klassiker der chinesischen Medizin, das „Huang Di Nei Jing“ (Der gelbe Kaiser der inneren Medizin), entstand zwischen 500 und 300 v. Chr. Insofern hat die TCM eine mindestens 2500-jährige Tradition.

Philosophie

In der TCM gilt der menschliche Organismus als organische Einheit und wird ganzheitlich betrachtet. Gesund ist, wer seine innere Harmonie aufrecht zu erhalten vermag. Diese findet im Yin/Yang-Gleichgewicht ihren Ausdruck, das vom gleichmäßigen und ununterbrochenen Fluss des Qi, der Wurzel aller Energie, abhängt. Das Qi fließt entlang der sogenannten Meridiane und verbindet die Zang-Fu-Organe miteinander.
In der TCM gibt es drei „Kostbarkeiten“:
– die Lebensenergie Qi, die durch Schweigsamkeit gepflegt wird
– die konstitutionelle Energie Jing, die durch Genügsamkeit gepflegt wird
– die psychische Energie Shen, die durch Vermeidung sinnloser Gedanken gepflegt wird.
Wenn Qi und Jing ausreichend vorhanden sind, kann die geistige Kraft blühen.

Diagnosestellung

Der Heilkundige benötigt weder Geräte noch Apparaturen. Er konzentriert sich im Wesentlichen auf vier Kriterien:
– Betrachtung: Konstitution, Verhalten, Zungenkörper/-belag
– Hören/Riechen: Sprechweise, Atmung, Körper-/Mundgeruch
– Tasten: Haut, Pulsqualitäten
– Befragung: medizinische Vorgeschichte, familiäre und soziale Situation.

Krankheitsursachen

Es wird zwischen inneren und äußeren pathogenen Faktoren unterschieden. Zu den äußeren Krankheitsursachen zählen Wind, Nässe, Kälte, Hitze und Trockenheit, zu den inneren einseitige/unregelmäßige Ernährung, unzureichende Bewegung, Übermüdung sowie übermäßige Gefühle von Sorgen, Trauer, Angst, Wut oder Euphorie.

Behandlungsmethoden

Eine hohe Bedeutung kommt der Vorbeugung von Krankheiten durch die Fünf-Elemente-Ernährung, regelmäßige Bewegung und ausreichend Entspannung zu. Hierzu gehört auch die regelmäßige Ausführung von Qi-Gong– und Tai-Chi-Übungen.
Bei bereits bestehenden Krankheiten werden innerlich hauptsächlich Mischungen von Pflanzenteilen (sog. Kräutermedizin oder Phytotherapie) angewendet; äußerlich kommen
Akupunktur (bei Kindern: Akupressur),
Moxibustion,
Schröpfen und
Tuina-Massage
zum Einsatz.

Anwendungsgebiete

Der Heilungseffekt einer Therapie entsteht durch ein erfolgreiches Zusammenwirken mehrerer Faktoren, wozu neben dem Wissen und der Erfahrung des Behandlers auch die Mitarbeit und das Vertrauen des Patienten zählen.
Gute Erfolgsaussichten bestehen bei allergischen Reaktionen, grippalen Infekten, Blutdruckproblemen, Stoffwechselkrankheiten, Magen-Darm-Erkrankungen, Blasenschwäche, Menstruations- und Wechseljahrsbeschwerden, Suchtverhalten, nervösen Störungen u.a.
Dagegen lassen sich bei Leiden, die auf degenerative Veränderungen zurückzuführen sind, allenfalls die Schmerzen lindern, weil Gewebezerstörungen wie Knochenbrüche und Gelenkabnutzungen nicht rückgängig gemacht werden können.

Nebenwirkungen

Die Methoden der TCM sind sehr nebenwirkungsarm. Zu Beginn der Behandlung kann allenfalls eine Symptomverstärkung auftreten. In einzelnen Fällen bewirkt die Kräutermedizin eine vorübergehende Anregung der Darmtätigkeit.

Auswahlkriterien

Bei der Wahl des Behandlers ist darauf zu achten, dass er gelernt hat, das chinesische Syndrom (z.B. durch Milz-Qi-Schwäche bedingte Nässe im mittleren Erwärmer, die sich in breiigen Stühlen äußert) zu ermitteln, worunter der Patient leidet, und dieses angemessen zu therapieren. Das Wissen um den Durchfall allein ist nicht ausreichend, weil verschiedene chinesische Syndrome, die jeweils unterschiedlich behandelt werden müssen, mit Durchfall einher gehen können.

 

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